28. März 2012 / Sportrecht
Haftung für Verletzungen bei Fußballspaßturnier

Im Rahmen eines Hallenspaßturniers wurde ein Sportler erheblich verletzt. Im Rahmen eines Zweikampfes wurde er von einem Gegenspieler mit einem Bein in die linke Gesichtshälfte getroffen. Der genaue Ablauf der Verletzung ließ sich nicht mehr rekonstruieren, da insoweit gegensätzliche Zeugenaussagen vorlagen. Der Verletzte erblindete als Folge einer schwellungsbedingten Schädigung des linken Sehnervs auf dem linken Auge und erlitt zahlreiche weitere Verletzungen. Er war einige Tage bewusstlos. Nachdem eine 55 prozentige Invalidität festgestellt wurde, musste der Verletzte seinen Betrieb als selbstständiger Taxiunternehmer aufgeben. Er verlangte Schadensersatz und Schmerzensgeld von seinem Gegenspieler.

Gesetzliche Haftung auch beim Wettkampfsport

Im Grundsatz gelten für Unfälle im Sportbetrieb die gleichen Regeln wie außerhalb des Sportbetriebs. Wer einen anderen vorsätzlich oder fahrlässig in rechtswidriger Weise am Körper verletzt haftet regelmäßig für die eingetretenen Schäden und muss auch Schmerzensgeld leisten. Zu den zu ersetzenden Schäden zählen beispielsweise Behandlungskosten, Verdienstausfall oder Schmerzensgeldzahlungen, deren Höhe sich insbesondere nach der Intensität der Verletzung richtet.

Nicht für jedes Foul wird gehaftet

Die Haftung eines Sportlers nach gesetzlichen Regeln setzt den Nachweis voraus, dass dieser schuldhaft gegen die Regeln des sportlichen Wettkampfs verstoßen und dadurch einen anderen verletzt hat. Deshalb scheidet eine Haftung zunächst in allen Fällen aus, in denen sich ein Sportler bei einem regelrechten und dem bei jeder Ausübung zu beachtenden Fairnessgebotes entsprechenden Einsatz seines Gegners Verletzungen zuzieht. Selbst regelwidriges Verhalten eines Sportlers begründet nicht in jedem Fall eine Haftung des Verletzers. Nach der Rechtsprechung bestimmen sich die Sorgfaltsanforderungen an den Teilnehmer eines Wettkampfs nämlich nach den besonderen Gegebenheiten des jeweiligen Sports, bei dem sich der Unfall ereignet hat. Die Eigenart des Fußballspiels als Kampfspiel zwingt den Spieler auf, im Bruchteil von Sekunden Chancen abzuwägen und Risiken einzugehen. Er stellt hohe Anforderungen an die physische und psychische Kraft, die Schnelligkeit, Geschicklichkeit und körperlichen Einsatz. Ein Schuldvorwurf ist dahin nur berechtigt, wenn die durch den Spießweg gebotene bzw. noch gerechtfertigte Härte die Grenze zur Unfairness überschreitet. Solange sich das Verhalten eines Spieles noch im Grenzbereich zwischen kampfbetonter Härte und unzulässiger Unfairness bewegt, ist ein Verschulden selbst bei objektiven Regelverstößen nicht gegeben. Dies gilt auch beim Freizeitsport.

Verletzter geht leer aus

Im Streitfall muss der Verletzte beweisen können, dass die Grenze zur Unfairness überschritten wurde. Gelingt dieser Beweis nicht, bleibt der Verletzte auf seinen Schäden sitzen und erhält auch kein Schmerzensgeld. Da im vorliegenden Fall sich der genaue Verlauf der Verletzungshandlung aufgrund widersprüchlicher Zeugenaussagen nicht mehr nachweisen ließ, hat das zuständige Gericht die geltend gemachten Ansprüche zurückgewiesen (Landgericht Bonn, Urteil vom 27. Januar 2010, Aktenzeichen 2U 238/09).

Autor: Professor Dr. Karsten Simoneit

Jetzt anfragen

Ihre Anfrage

Ihre Nachricht

Anrede

Vor- und Nachname

Unternehmen/Organisation

Telefon

E-Mail-Adresse

Straße

PLZ und Ort

Ihre Anfrage ist unverbindlich und anwaltskostenfrei. Wir teilen Ihnen kurzfristig mit, wie wir Sie im Hinblick auf ihre Anfrage unterstützen können. Erst durch ihre anschließende Bestätigung kommt ein Mandatsverhältnis zustande.

Mit dem Absenden dieses Formulars akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.

Ich stimme zu, dass meine Angaben zur Kontaktaufnahme gespeichert werden. Ich kann meine Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an wismar@simoneit-skodda.de widerrufen.

Professor Dr. Karsten Simoneit

Professor Dr. Karsten Simoneit
Honorarprofessor für Wirtschaftsrecht

SIMONEIT & SKODDA
Rechtsanwälte
Fachanwälte

03841 / 7600-0
wismar@simoneit-skodda.de
Dankwartstraße 22
23966 Wismar
Kontakt