05. März 2012 / Sport- und Freizeitschifffahrt
Haftung bei Regattaunfall

Die Mittwochsregatta ist für manch einen Segler der Höhepunkt der Woche. Wettkampfkonkurrenz beflügelt den Ehrgeiz. Der Kampf um jeden Meter verleitet zu gewagten Manövern. Aber wie sieht es mit der Haftung aus, wenn es zur Kollision kommt? Die Rechtsprechung erkennt generell bei der Teilnahme an Sportveranstaltungen Haftungsbeschränkungen der Teilnehmer an, wenn es sich um Wettkämpfe mit nicht unerheblichem Gefahrenpotential handelt, bei denen typischerweise auch bei Einhaltung der Wettkampfregeln oder bei nur geringfügiger Regelverletzung die Gefahr gegenseitiger Schadenszufügung besteht. Deshalb wird beispielsweise beim Fußball auch im Falle der Verletzung des Gegners durch ein typisches Foul nicht gehaftet.

Keine zwingende Haftung wegen Regelverstoß

Im Ragattasport unterscheiden die Obergerichte im Hinblick auf die Haftung nach der konkreten Situation. Das Oberlandesgericht Karlsruhe verneinte die Haftung bei einer Kollision an der Wendemarke trotz Verstoßes gegen die Vorfahrtsregeln. Denn an der Wendemarke kann sich das Regattafeld verdichten, – sofern das Teilnehmerfeld vor der Wendemarke noch eng beieinander liegt – weil alle an der Regatta teilnehmenden Boote die Wendemarke nehmen müssen und aus Zeitgründen dies möglichst eng tun wollen. Hier entsteht dann Platznot und ein wettkampfartiges Gedränge. Neben der Bootsdichte, die es zu beachten gilt, sind die Besatzungen mit der Vorbereitung oder Durchführung der notwendig werdenden Segelmanöver beschäftigt. Der Schiffsführer muss aufmerksam andere Boote unter vorfahrtsrechtlichen und regattatechnischen Gesichtspunkten beobachten und er hat auf engstem Raum schnell zu reagieren. Deshalb ist es nicht ganz selten, dass es dabei zu Bootsberührungen und möglichen Schäden an den Booten kommt.

Entscheidend ist die Wettkampfsituation

Einen ganz anderen Fall hatte das Oberlandesgericht Nürnberg zu entscheiden. Die Kollision ereignete sich nicht im dichten Gedränge an einer Wendemarke, sondern auf freier Regattabahn. Der Ausweichpflichtige war zwar im "Wettkampf", hatte aber genügend Raum und Zeit, um seiner Ausweichpflicht zu genügen. Er hätte in Ruhe den Konkurrenten beobachten können, seine Entscheidung treffen, wie er ihm Vorfahrt gewähren will, und dann das Ausweichmanöver durchführen können. Es war eine Situation, wie sie jeder Segler, auch wenn er nicht an einer Regatta beteiligt ist, erlebt und im Regelfall bewältigt. In dieser Phase der Regatta bestand keine Gefahr, dass sich Segler typischerweise gegenseitig einen Schaden zufügen, auch wenn sie die Wettkampfregeln einhalten oder sie nur geringfügig verletzen. Es bedurfte erheblicher Unachtsamkeit des ausweichpflichtigen Seglers, um den Schaden zu verursachen. Deshalb hat das Oberlandesgericht Nürnberg zu Recht die Grundsätze zur Inkaufnahme von Schädigungen bei regelgerechtem Wettkampf zumindest für diese Regattasituation nicht übernommen. Der Segler, der den Regelverstoß begangen hatte, haftete daher in voller Höhe.

Danach können Regattasegler vor allem mit Schadensersatz rechnen, wenn sie außerhalb der kritischen Wendepunkte oder anderen Engstellen auf der Route regelwidrig Opfer einer Kollision werden.

Autor: Professor Dr. Karsten Simoneit

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Professor Dr. Karsten Simoneit

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Honorarprofessor für Wirtschaftsrecht

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